Epoxidharz ist in der Holzbearbeitung inzwischen äußerst verbreitet.
River-Tables, Tabletts, Schmuck und Dekorationsobjekte: Es wird heute überall eingesetzt, manchmal mit großer Beherrschung und manchmal lediglich, weil der visuelle Effekt gut funktioniert.
Gegen diese Verbreitung habe ich nichts. Sie hat ein interessantes Material bekannt gemacht und neue Möglichkeiten eröffnet.
In meiner Werkstatt möchte ich Harz jedoch nicht als automatische Rezeptur verwenden.
Nicht jeder Riss muss gefüllt werden.
Nicht jede Platte braucht einen blauen Fluss in der Mitte.
Und nicht jedes Projekt wird allein durch die Zugabe von Epoxidharz interessanter.
Ich betrachte es lieber als ein Material unter anderen, mit seinen Eigenschaften, Grenzen und vor allem einer einfachen Frage: Was trägt es tatsächlich zum Projekt bei?
Wenn Harz dem Holz etwas hinzufügt
Epoxidharz kann auf verschiedene Arten in ein Projekt integriert werden.
Es kann einen Riss füllen, einen empfindlichen Bereich stabilisieren oder einen örtlichen Fehler ausbessern.
Es kann aber auch zu einem Bestandteil der Gestaltung werden.
In diesem zweiten Fall ist seine Aufgabe nicht mehr nur technisch. Farbe, Transparenz oder Deckkraft nehmen unmittelbar an der Komposition teil.
Dieser Aspekt interessiert mich am meisten.
Ich bevorzuge meist Verbindungen, bei denen das Holz klar erkennbar bleibt und das Harz eine visuelle Spannung dazu erzeugt.
Der Kontrast funktioniert besonders gut, wenn er einfach bleibt.
Bei meinen kleinen Schubladenfronten aus Birnbaum und schwarzem Harz ist das Harz keine am Ende hinzugefügte Dekoration.
Es gehört von Beginn an zum Material.
Birnbaum besitzt einen sanften, relativ warmen Farbton. Schwarz erzeugt einen klaren Bruch, ohne das Holz zu verdrängen.
Gerade in diesem Gegensatz liegt der Reiz.
Das Holz behält Maserung, Unterschiede und Charakter. Das Harz setzt eine grafischere Linie oder Fläche.
Die beiden Materialien versuchen nicht, einander ähnlich zu sein.
Sie funktionieren, weil sie verschieden sind.
Vor dem Gießen entwerfen
Harz kann den Eindruck völliger Freiheit vermitteln.
Eine Form wird vorbereitet, zwei Komponenten werden gemischt, das Harz wird gegossen und man wartet.
In Wirklichkeit braucht ein sauberer Guss viel Vorbereitung.
Zuerst muss die endgültige Form bedacht werden.
Soll das Harz lediglich einen Hohlraum füllen?
Muss es das Werkstück vollständig durchdringen?
Ist eine Form notwendig?
Wie wird das Teil nach der Aushärtung weiterbearbeitet?
Wie viel Material muss noch durch Hobeln, Schleifen oder Fräsen entfernt werden?
Diese Fragen müssen geklärt sein, bevor etwas gemischt wird.
Sobald die Komponenten zusammenkommen, beginnt die Zeit zu laufen.
Dann ist nicht mehr der Moment, eine Zwinge zu suchen oder festzustellen, dass die Form undicht ist.
Vorbereitung ist daher ein echter Bestandteil der Arbeit.
Werkstück reinigen, Gussbereiche vorbereiten, Flächen schützen und Dichtigkeit prüfen: Ein gelungener Guss beginnt oft mit einer wenig spektakulären Stunde Arbeit.
Die Mischung verzeiht keine Näherungswerte
Epoxidharz beruht auf einer chemischen Reaktion zwischen mehreren Komponenten.
Daraus folgt eine einfache Regel: Das Mischungsverhältnis muss eingehalten werden.
Improvisation ist hier keine Lösung.
Das Verhältnis hängt vom verwendeten System ab und muss den Herstellerangaben entsprechen.
Eine falsche Dosierung kann die vollständige Aushärtung verhindern oder die späteren Eigenschaften verändern.
Auch das Mischen selbst verlangt Aufmerksamkeit.
Die Komponenten müssen gründlich homogenisiert werden, ohne unnötig viele Luftblasen einzubringen.
Die Werkstatttemperatur beeinflusst das Verhalten des Produkts ebenfalls.
Zu kaltes Harz wird zähflüssiger und lässt sich anders verarbeiten. Zu hohe Temperatur beschleunigt die Reaktion.
Je größer das Gussvolumen, desto wichtiger wird die während der Reaktion entstehende Wärme.
Nicht jedes Harz eignet sich deshalb für jeden Einsatz.
Ein kleiner örtlicher Guss und ein tiefer Guss benötigen nicht unbedingt dasselbe Produkt.
Das Material wirkt im flüssigen Zustand einfach, verlangt jedoch eine ziemlich genaue Einhaltung seiner Verarbeitungsvorgaben.
Schwarz: eine bewusst zurückhaltende Wahl
In einigen Projekten verwende ich schwarzes Harz.
Diese Wahl entspricht meiner visuellen Suche.
Schwarz versucht nicht, Stein, Fluss oder einen natürlichen Effekt nachzuahmen.
Es erzeugt eine klare Trennung.
Auf einem hellen oder leicht rosafarbenen Holz wie Birnbaum kann das Ergebnis sehr grafisch wirken.
Das visuelle Verhältnis bleibt jedoch wichtig.
Zu viel Harz und das Holz wird nebensächlich.
Zu wenig und die Wirkung kann zufällig erscheinen.
Bei meinen Schubladenfronten sollte der Birnbaum deutlich präsent bleiben und zugleich durch einen moderneren schwarzen Bruch ergänzt werden.
Das Endergebnis hängt außerdem stark von der Oberflächenbehandlung ab.
Eine frisch geschliffene Fläche kann recht matt wirken. Sobald das Finish aufgetragen wird, vertiefen sich die Kontraste und die Holzfarbe kehrt zurück.
Bei diesen Fronten wollte ich genau diesen tieferen, fast nassen Eindruck erhalten.
Die Oberflächenbehandlung wird damit zur letzten Etappe des Dialogs zwischen beiden Materialien.
Nach dem Guss beginnt eine andere Arbeit
Nach der Aushärtung ist das Projekt noch nicht abgeschlossen.
Eine saubere, gleichmäßige Fläche muss wiederhergestellt werden.
Je nach Teil geschieht das durch Fräsen, Planen oder einen langen Schleifprozess.
Diese Phase ist wichtig, weil Holz und Harz nicht genau gleich reagieren.
Das Ziel ist ein wirklich kontinuierlicher Übergang zwischen den beiden Flächen.
An der Verbindung darf keine Stufe oder Höhendifferenz zu spüren sein.
Auch Schleifspuren müssen optisch kontrolliert werden.
Dunkles Harz kann unter Streiflicht kleinste Kratzer deutlich zeigen.
Deshalb muss schrittweise gearbeitet werden.
Das kann besonders bei kleinen Teilen langwierig sein, weil das Licht jeden Fehler sofort sichtbar macht.
Der Guss selbst erzeugt einen spektakulären Moment.
Die endgültige Qualität entscheidet sich vor allem danach.
Reparieren, ohne unbedingt zu verstecken
Epoxidharz kann auch sinnvoll sein, wenn Holz einen Riss oder einen örtlichen Hohlraum aufweist.
Dann muss entschieden werden, ob der Fehler verborgen oder bewusst sichtbar bleiben soll.
Ich bevorzuge häufig die zweite Lösung.
Ein Riss kann Teil der Geschichte des Materials sein.
Füllen bedeutet nicht automatisch, ihn verschwinden zu lassen.
Ein kontrastierendes Harz kann den Bereich stabilisieren und zugleich sichtbar lassen, was im Holz geschehen ist.
Auch dieses Prinzip darf nicht blind verallgemeinert werden.
Manche Fehler beeinträchtigen tatsächlich die Festigkeit eines Teils.
Andere sind rein optisch.
Und manche Holzstücke rechtfertigen schlicht nicht die Zeit und Harzmenge, die notwendig wären, um sie nutzbar zu machen.
Materialrettung ist interessant, sollte aber keine Ausrede werden, alles aufzubewahren.
Ein vernünftiger Harzeinsatz beginnt auch mit der Entscheidung, welches Holz die Arbeit tatsächlich verdient.
Harz und Intarsien: zwei sehr unterschiedliche Logiken
Ich mag Materialkontraste, betrachte Harz aber nicht als automatischen Ersatz für Intarsien oder Einlegearbeiten.
Es sind unterschiedliche Vorgehensweisen.
Intarsien arbeiten mit Holzarten, Fasern, Ausrichtungen und natürlichen Farben.
Eine Harzeinlage ermöglicht eine gleichmäßigere, grafischere und manchmal radikalere Zeichnung.
Das eine ersetzt das andere nicht.
Die Wahl hängt vom Projekt ab.
Für bestimmte präzise Formen können CNC oder Laser außerdem bei der Vorbereitung von Vertiefungen oder Elementen helfen.
Dadurch entstehen interessante Wege zwischen digitalem Entwurf, Massivholz, Furnier und Harz.
Ich halte jedoch an einer einfachen Regel fest: Die Technik wird nach dem Projekt gewählt, nicht umgekehrt.
Ich suche nicht nach einem Objekt, auf dem Harz verwendet werden kann.
Ich suche zuerst danach, was aus dem Objekt werden soll.
Was mich Harz gelehrt hat
Epoxidharz verlangt eine andere Form von Disziplin als Holzarbeit.
Bei Holz kann man oft anhalten, beobachten und später weitermachen.
Bei bereits gemischtem Harz ist die Zeit deutlich weniger verhandelbar.
Deshalb muss vorher mehr vorbereitet werden.
Form, Mischungsverhältnis, Temperatur, Produktmenge und Nachbearbeitung müssen vorausgedacht werden.
Harz hat mich außerdem gelehrt, genauer über Kontrast nachzudenken.
Ein sehr visuelles Material kann ein Projekt schnell vollständig beherrschen.
Die Herausforderung besteht deshalb nicht immer im spektakulärsten Effekt.
Manchmal ist es genau umgekehrt: rechtzeitig aufhören, bevor das Harz wichtiger wird als das Holz.
In meinen bevorzugten Projekten behalten beide Materialien ihre Identität.
Das Holz behält Fasern, Farbtöne und Unregelmäßigkeiten.
Das Harz bringt eine Linie, Tiefe oder Unterbrechung.
Wenn es aus einem wirklichen Grund eingesetzt wird, ist es weit interessanter als ein vorübergehender visueller Trend.