Ein Holzspiel sollte zuerst zum Spielen einladen
Das klingt selbstverständlich, doch bei der Herstellung eines schönen Objekts kann man sich leicht auf die Optik konzentrieren und die Nutzung vergessen.
Ein Solitärspiel sollte angenehm zu bedienen sein.
Dominosteine brauchen gleichmäßige Abmessungen.
Ein Schachbrett muss gut lesbar bleiben.
Ein Buchstabenspiel muss funktionieren, ohne dass seine Herstellung das eigentliche Spiel überlagert.
Genau dieses Gleichgewicht interessiert mich an solchen Projekten.
Zwei Ebenen müssen gleichzeitig bedacht werden: ein Objekt sorgfältig genug herzustellen, damit es sichtbar stehen bleiben darf, und praktisch genug, damit es nicht rein dekorativ wird.
In der Werkstatt habe ich mehrere Spielwelten bearbeitet: Solitär, Schach, Buchstabenspiele, Domino und Spielkassetten.
Die Regeln sind bereits bekannt.
Die Arbeit besteht deshalb darin, ihnen eine andere materielle Form zu geben.
Ein Spiel beginnt mit seiner Nutzung
Im Unterschied zu einem rein dekorativen Objekt stellt ein Spiel sehr konkrete Anforderungen.
Die Teile werden aufgenommen, bewegt, abgesetzt und verstaut.
Manchmal werden sie über Stunden berührt.
Zuerst muss deshalb verstanden werden, was das Spiel tatsächlich verlangt.
Beim Solitär sind Position und Regelmäßigkeit der Vertiefungen entscheidend.
Bei Domino müssen alle Teile maßlich zusammenpassen und angenehm zu mischen und zu greifen sein.
Beim Schach müssen die wechselnden Felder sofort erkennbar bleiben.
Diese Anforderungen begrenzen die Gestaltung nicht.
Sie liefern lediglich den Rahmen, in dem gearbeitet wird.
Aus diesem Rahmen entstehen die Entscheidungen über Material, Proportionen und Oberfläche.
Holz verändert das Spielgefühl vollständig
Die Wahl des Holzes ist nicht nur eine Frage der Farbe.
Sie beeinflusst auch Gewicht, Haptik und Alterung der Teile.
Bei einem Spiel aus mehreren Elementen können Kontraste zwischen Holzarten direkt zur Lesbarkeit beitragen.
Beim Schachbrett ist das besonders deutlich, weil die beiden Feldgruppen klar unterscheidbar bleiben müssen.
Dasselbe Prinzip kann bei anderen Spielen zurückhaltender eingesetzt werden.
Die Maserung kann zu einem grafischen Element werden.
Die natürliche Holzfarbe kann ausreichen, um mehrere Bereiche voneinander zu trennen.
Eine Einlage kann einen Orientierungspunkt schaffen, ohne ein künstliches Zusatzteil einzusetzen.
Ich lasse die Materialien meist lieber klar erkennbar.
Wird beispielsweise Messing eingelegt, liegt sein Reiz gerade im Kontrast zum Holz.
Es braucht keine Vielzahl von Effekten, damit es sichtbar wird.
Einige gut platzierte Details können genügen.
Ein Solitärspiel verlangt vor allem Regelmäßigkeit
Solitär ist ein gutes Beispiel für ein scheinbar einfaches Spiel.
Ein Brett, eine genaue geometrische Anordnung und Kugeln oder Spielsteine.
Dennoch wird jede kleine Unregelmäßigkeit sofort sichtbar.
Die Positionen müssen gleichmäßig verteilt sein.
Die Tiefen müssen zueinander passen.
Das Spiel muss bequem zu benutzen sein und die Teile müssen sich leicht aufnehmen lassen.
Die Vorbereitung der Geometrie nimmt deshalb einen wichtigen Platz ein.
Das Muster kann vor der Bearbeitung digital aufgebaut werden, um die Positionen gleichmäßig zu verteilen.
Die CNC ist besonders nützlich, um diese Geometrie präzise zu wiederholen.
Sie löst aber nicht alles.
Das Brett muss weiterhin richtig positioniert, ein geeigneter Fräser gewählt, die Arbeitsschritte vorbereitet und das reale Ergebnis im Holz kontrolliert werden.
Wie immer bei digitaler Fertigung führt die Maschine die vorher vorbereitete Präzision aus.
Sie erzeugt diese Präzision nicht von selbst.
Domino: wiederholen, ohne industriell zu werden
Ein Dominospiel stellt eine andere Aufgabe.
Hier liegt die Schwierigkeit in der Wiederholung.
Jedes Teil gehört zu einem größeren Satz.
Die Maße müssen daher von Stein zu Stein gleichmäßig bleiben.
Die Arbeit wird zu einer Suche nach Regelmäßigkeit.
Regelmäßigkeit bedeutet jedoch nicht unpersönliche Produktion.
Ich habe beispielsweise Dominosteine aus Holz mit Messingdetails hergestellt.
Der Kontrast der Materialien gibt dem Spiel eine Identität, ohne sein Prinzip zu verändern.
Meine Dominosteine messen 60 × 30 × 8 mm.
Auf dem Papier sind das nur drei Maße.
In der Werkstatt müssen sie auf einer ganzen Serie sauber wiederholt werden.
Zuschnitt, Maßhaltigkeit, Details, Nacharbeit und Oberfläche müssen so gleichmäßig bleiben, dass das Spiel als zusammengehöriges Ganzes wirkt.
Das ist eine völlig andere Aufgabe als die Herstellung eines Einzelstücks.
Eine fast unsichtbare Abweichung an einem Teil wird deutlich, sobald mehrere Teile nebeneinander liegen.
Das Schachbrett: Geometrie und Kontraste
Das Schachbrett gehört wahrscheinlich zu den Spielen mit der stärksten visuellen Konstruktion.
Alles beruht auf einem Raster.
Zwei Farbtöne.
Vollkommen geordnete Linien.
Diese scheinbare Einfachheit lässt wenig Raum für Ungenauigkeit.
Ein kleiner Breitenunterschied wiederholt sich über das gesamte Brett.
Eine schlechte Ausrichtung fällt sofort auf.
Und die Wahl der Hölzer verändert das Endergebnis erheblich.
Ein starker Kontrast erzeugt eine sehr grafische Wirkung.
Ähnlichere Holzarten ergeben ein zurückhaltenderes Brett.
Auch die Oberflächenbehandlung kann das Gleichgewicht verändern, indem bestimmte Farbtöne verstärkt werden.
Das Schachbrett ist damit Spiel und Präzisionsübung zugleich.
Seine Geometrie ist jedem bekannt.
Ein Fehler lässt sich nicht hinter einer komplexen Form verstecken.
Buchstabenspiele: auch die Aufbewahrung herstellen
Manche Spiele stellen eine weitere Frage: die Anzahl der Teile und ihre Aufbewahrung.
Ein Buchstabenspiel besteht nicht nur aus einem Brett.
Auch die beweglichen Elemente, ihre Ordnung und die Art, wie das Ganze benutzt und anschließend verstaut wird, müssen bedacht werden.
Das ist ein wichtiger Teil meiner Projekte.
Ein gelungenes Spiel sollte vor, während und nach der Partie angenehm bleiben.
Etui, Brett oder Aufbewahrungssystem sind daher keine am Ende hinzugefügten Extras.
Sie gehören zum Entwurf.
Dieselbe Logik gilt für komplexere Spielkassetten, etwa einen Pokerkoffer.
Bei einer solchen Arbeit geht es nicht mehr nur um die Spielregeln.
Eine ganze Gruppe von Teilen muss organisiert, passende Fächer müssen geschaffen und ein Objekt entworfen werden, das sich leicht öffnen, benutzen und verstauen lässt.
Die Kassette wird beinahe zu einem eigenständigen Kunsttischlereiprojekt.
Messing, Harz und andere Materialien brauchen eine Funktion
Ich verbinde Holz gern mit anderen Materialien.
Ich versuche jedoch, sie nicht nur wegen eines optischen Effekts hinzuzufügen.
Messing kann Orientierungspunkt, grafisches Detail oder Einlage sein.
Harz kann eine Trennung, einen Kontrast oder eine besondere Geometrie schaffen.
Diese Materialien besitzen eine starke Präsenz.
Sie müssen deshalb maßvoll eingesetzt werden.
Bei einem Spiel soll der Spieler nicht ständig über die verwendete Herstellungstechnik nachdenken.
Die Fertigung soll das Erlebnis verbessern, ohne es zu behindern.
Eine schöne Einlage ist nutzlos, wenn ein Teil dadurch unangenehm zu greifen wird.
Eine hochglänzende Oberfläche ist nicht automatisch für eine ständig berührte Fläche geeignet.
Der Entwurf muss immer zur Nutzung zurückkehren.
Die Oberfläche muss den Partien standhalten
Ein Objekt zum Betrachten und ein Spiel zum Anfassen altern nicht auf dieselbe Weise.
Die Flächen eines Spiels werden regelmäßig berührt.
Teile werden bewegt.
Das Brett kann kleine Stöße erhalten.
Die Oberfläche muss entsprechend gewählt werden.
Sie soll das Holz schützen und gleichzeitig eine angenehme Haptik bewahren.
Eine Fläche darf nicht nur für einen spektakulären Effekt unpraktisch werden.
Auch das Schleifen spielt eine wesentliche Rolle.
Zu scharfe Kanten können unangenehm sein.
Höhenunterschiede werden mit den Fingern sofort gespürt.
Die Qualität eines Spiels wird ebenso durch Berührung wie durch Betrachtung entdeckt.
Das ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum Holz für diese Nutzung so gut geeignet bleibt.
Das Material behält eine Präsenz.
Es erwärmt sich in der Hand.
Es verändert sich mit der Zeit.
Vor allem lädt es dazu ein, das Objekt zu benutzen.
Ein schönes Spiel sollte nicht unter Glas enden
Ich finde es schade, ein Spiel so kostbar zu machen, dass niemand es mehr benutzen möchte.
Ein Spiel soll leben.
Dominosteine sollen gemischt werden.
Schachfiguren bewegt.
Solitär neu begonnen.
Buchstaben aus ihrer Aufbewahrung genommen.
Eine handgefertigte Arbeit kann natürlich einen besonderen Wert besitzen.
Sie kann unbenutzt auch zu einem starken Element in einem Raum werden.
Ihre ursprüngliche Funktion sollte sie dennoch nicht verlieren.
Ich suche deshalb ein Gleichgewicht.
Das Spiel soll auf einem Tisch, Regal oder Schreibtisch sichtbar bleiben können.
Es soll sorgfältig genug sein, um zum Raum zu gehören.
Sein natürlicher Platz bleibt aber in den Händen der Menschen, die damit spielen.
Ein Spiel zu verschenken bedeutet auch, eine Nutzung zu verschenken
Holzspiele werden häufig als Geschenk gewählt.
Ich verstehe gut, warum.
Sie hängen nicht von einem technischen Trend oder einer Softwareversion ab, die schnell veraltet.
Die Regeln bestehen oft seit langer Zeit.
Der Unterschied liegt dann im Objekt selbst.
In seinem Material.
In seiner Herstellung.
Und im Zusammenhang, in dem es benutzt wird.
Ein Spiel, das zu einer Hochzeit, einem Geburtstag oder einem besonderen Anlass verschenkt wurde, kann später viele gewöhnliche Momente begleiten.
Oft sind es gerade diese Momente, die ihm wirklichen Wert geben.
Eine spontane Partie.
Eine Familiengewohnheit.
Ein Spiel, das immer mit denselben Menschen hervorgeholt wird.
Bei handgefertigten Objekten wird häufig von Weitergabe gesprochen.
Ich bleibe bei dieser Idee vorsichtig: Niemand kann versprechen, dass ein Objekt tatsächlich mehrere Generationen in einer Familie bleibt.
Man kann jedoch etwas herstellen, das Menschen behalten möchten.
Das ist bereits viel.
Warum ich weiterhin Holzspiele herstelle
Spiele verbinden mehrere Teile meiner Arbeit.
Präzision.
Holzauswahl.
Wiederholung bestimmter Teile.
Entwurf der Aufbewahrung.
Einlagen.
Bei manchen Projekten Intarsienarbeit.
CNC-Bearbeitung, wenn eine genaue Geometrie aufgebaut werden muss.
Und vor allem eine ständige Frage: Bleibt das Objekt angenehm zu benutzen?
Diese letzte Frage zählt am meisten.
Der Erfolg eines Spiels misst sich nicht nur an der Qualität des Fotos nach Abschluss der Arbeit.
Er zeigt sich auch in dem Moment, in dem jemand eine Partie beginnt, ohne über die Herstellung des Objekts nachzudenken.
Die Teile finden selbstverständlich ihren Platz.
Das Brett ist gut lesbar.
Die Aufbewahrung funktioniert.
Das Material fühlt sich angenehm an.
Dann kann die Herstellung beinahe hinter der Nutzung verschwinden.
Für mich ist das wahrscheinlich das bestmögliche Ergebnis.